Sozialpsychologe Dr. Harald Schuster lädt zu einem neuen Blick auf die Straße ein
In Köln haben wir bei den Debatten um die Venloer Straße oder die Deutzer Freiheit erlebt, wie emotional über die Aufenthaltsqualität diskutiert wurde.
Gleichzeitig beobachten wir auch in Köln, dass der soziale Zusammenhalt zurückgeht. Vor diesem Hintergrund schlägt der Sozialpsychologie Dr. Harald Schuster eine neue wertvolle Sichtweise und Erweiterung der Perspektive für die Verkehrsplanung vor: weg von reinen Verkehrsfragen und hin zur psychologischen und sozialen Bedeutung unserer Straßen. In seinem Vortrag geht Dr. Harald Schuster der Frage nach, wie wir die Kölner Straßenräume so transformieren können, dass sie als ‚Social Streets‘ das Veedel stärken und eine inklusive, demokratische Stadtgesellschaft fördern.
In seiner Forschung im Feld der Community Psychology hat Harald Schuster unter anderem untersucht, welche sozialpsychologischen Erfahrungen während des Unterwegsseins das Veedelsgefühl, den nachbarschaftlichen sozialen Zusammenhalt stärken können.
Konkret konnte er empirisch aufzeigen, dass unter bestimmten Bedingungen die wahrgenommene Vertrautheit während des Unterwegsseins in der Nachbarschaft die Entwicklung von sozialem Vertrauen begünstigt. Interessant ist, dass Straßen viel häufiger Orte von Begegnungen sind als Plätze oder Parks. Soziales Vertrauen ist entscheidend für das Gemeinschaftsgefühl und den sozialen Zusammenhalt. Aufbauend auf diesen Forschungserkenntnissen hat Harald Schuster das Konzept der „Social Streets“ entwickelt. Unter welchen psychologischen „Rahmenbedingungen“ funktionieren Straßen als Dritte Orte? „Social Streets“ fördern beispielsweise „beiläufige“, minimale Interaktionen und sind Orte lokaler sensorischer Wahrnehmung. Diese empirisch bewährten Bedingungen lassen sich gut rund um Baustellen realisieren – als temporäre Labore für Social Streets.
Was auf der Deutzer Freiheit nicht umgesetzt werden konnte, könnte also rund um eine der Kölner Baustellen gelingen. Social Streets als Orte des Miteinanders zu schaffen.