Rückblick: SDG-Fachtag 2025

8. Januar 2026

Wie kann nachhaltige Stadtplanung in Köln aussehen? Welche Chancen bietet der Ansatz für die Stadt und ihre Bewohner*innen? Welche Herausforderungen ergeben sich? Diesen Fragen widmete sich der diesjährige SDG-Fachtag des Bündnis Kommunale Nachhaltigkeit Köln (BKN). Am Montag, 3. November 2025, folgten fast 90 Menschen der Einladung des Bündnis ins Bürger*innenzentrum „Alte Feuerwache“, um in vier Workshops und einer großen Podiumsdiskussion zu lernen, diskutieren und sich zu vernetzen. Gefördert wurde der SDG-Fachtag mit Mitteln der Bezirksvertretung Innenstadt, der Bürgerstiftung Köln und der Stadt Köln.

Nach einer Begrüßung durch die Projektkoordinatoren des Bündnis Kommunale Nachhaltigkeit (Nicole Bosquet und Ralph Herbertz von KölnAgenda e.V. und Jennifer Jendreizik vom Allerweltshaus e.V.) und der Moderatorin Anne Gebler-Walkenbach begannen vier Workshops, die unterschiedliche Facetten der Stadtentwicklung umfassten und Raum zur Vertiefung boten:

Workshop A) Stadtklima & Klimawandel – Einblicke in ein Forschungsprojekt der Uni Köln und der TH Köln [Nils Eingrüber (MSc, Uni Köln) und Thérèse Peterschmitt (MSc, TH Köln)]

Zunächst wurde das gemeinsamen Projekt AKT@HoMe der Universität zu Köln und TH Köln vorgestellt. Es wurde deutlich, dass Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel entscheidend sind, um zunehmende Hitze wirksam zu bewältigen. Konkret wurden dafür im Workshop drei Ansätze entwickelt: Zum einen stellt sich die Frage, wie Investor*innen stärker in solche Maßnahmen eingebunden werden können – gewünscht ist zumindest ein aktiverer Austausch mit ihnen. Ebenso sollen Forschungsergebnisse aus Hochschulen besser in die Verwaltung gelangen, wofür ein intensiverer Dialog angestrebt wird. Wichtig für Bürger*innen sind verlässliche Informationen und das Wissen um Fördermöglichkeiten; dafür wird ein zentrales Informationsportal angeregt.

Workshop B) Heute hier, morgen dort. Wer darf bleiben, wer muss fort? Obdachlosigkeit – Der Mensch in der Mitte unserer Gesellschaft [Friederike Bender und Petra Hastenteufel, Streetworkerinnen bei der Oase Köln]

Es wurde deutlich, dass auf unterschiedlichen Ebenen Antworten auf Obdachlosigkeit gefunden werden können: Durch die Politik, die Gesellschaft, aber auch jede*n Einzelne*n. Auf individueller Ebene wurde betont, wie wichtig es ist, hinzuschauen, Kontakt aufzunehmen und das Gespräch mit obdachlosen Menschen zu suchen. Im Vordergrund sollten eine grundsätzliche Akzeptanz und die Bedürfnisse der Menschen stehen.

Für die Gesellschaft wurde hervorgehoben, dass alle Teil der Stadt sind und damit auch Verantwortung tragen – etwa indem Wohnraum bereitgestellt oder erhalten wird. Gleichzeitig wurde kritisiert, dass Obdachlose insbesondere häufig verdrängt werden, insbesondere durch Geschäftsinhaber*innen.

Für die Politik wurden vor allem stärkere Präventionsmaßnahmen als notwendig erachtet. Dazu zählen der Ausbau von Beratungsangeboten, beispielsweise für psychisch erkrankte Menschen, sowie die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, um Obdachlosigkeit langfristig vorzubeugen.

Workshop C) Zu Fuß in Köln: Wo stehen wir und wo wollen wir hin [Britta Buch, Fußverkehrsbeauftragte der Stadt Köln und Andrea Fromberg, FUSS e.V. Ortsgruppe Köln]

Im Workshop wurden verschiedene Projekte zur Verbesserung der Mobilität von Fußgänger*innen vorgestellt, die in Köln bereits angelaufen sind, und ein Meinungsbild dazu eingeholt, welche Initiativen als besonders bedeutsam eingeschätzt werden. Dabei zeigte sich, wie wichtig kurzfristig umsetzbare Maßnahmen sind. Ein Beispiel dafür ist das Projekt „Freie Ecke“, bei dem Kreuzungsbereiche in den Veedeln von parkenden Autos freigehalten werden sollen. Auch die Stärkung bürgerschaftlichen Engagements spielt eine zentrale Rolle, z.B. im Projekt „SuperVeedel“, angelehnt an das Konzept der „Superblocks“ aus Barcelona. Das Projekt zielt darauf ab, den Durchgangsverkehr zu reduzieren und die Quartiere durch aktive Beteiligung der Anwohner*innen aufzuwerten. Außerdem wurde betont, wie wichtig frei zugängliche und sichere Gehwege sind – ein Thema, zu dem mehrere städtische Projekte aktuell arbeiten.

Grundlage für eine produktive Arbeit ist der Austausch zwischen verschiedenen Akteur*innen, die auch in Zukunft fortgeführt werden sollte.

Workshop D) Auf dem Weg zu Nachhaltigkeitsindikatoren für Köln [Dr. Katja Veil, Strategische Stadtentwicklung/Nachhaltigkeit, Stadt Köln und Ralph Herbertz, BKN Köln]

Im Workshop zeigte sich die große Komplexität des Vorhabens Nachhaltigkeitsindikatoren und eine -strategie zu entwickeln. So führte bereits die Vorstellung der Hintergründe zu interessierten Nachfragen und angeregter Diskussion. Hierdurch ließen sich einige klare Anregungen festhalten: Um es vielen Menschen zu ermöglichen sich zu beteiligen, braucht es für die fertige Fassung eine einfache, gut auffindbare Darstellung. Angesichts begrenzter Ressourcen wurde der Vorschlag eines Verfügungsfonds für zivilgesellschaftliche Projekte betont, besonders für Bereiche mit besonderem Unterstützungsbedarf. Zudem wurde ein Symposium für Zivilgesellschaft, Verwaltung und Politik angeregt, um den Stand der Nachhaltigkeitsziele zu reflektieren und Anpassungen zu diskutieren. Wichtig ist dabei, dass gemeinsame Beteiligungs- und Gestaltungsmöglichkeiten für Verwaltung und Zivilgesellschaft existieren, die möglicherweise über das BKN organisiert werden könnten. Konkret wurde vorgeschlagen, einen Workshop des BKN vor der nächsten Beiratssitzung durchzuführen, wo die Zielbewertung der Indikatoren thematisiert werden soll.

Podiumsgespräch: „Innenstädte zukunftsfähig denken“

Den zweiten Teil des Fachtages bildete eine Podiumsdiskussion zum Thema „Innenstädte zukunftsfähig denken“. Auf dem Podium diskutierten Benjamin Ruchser vom Citymanagement der KölnBusiness Wirtschaftsförderung, Prof. Dipl.-Ing. Yasemin Utku von der TH Köln, Expertin für ökologische und sozial-nachhaltige Stadtgestaltung, sowie Lara Waldron, Sozialraumkoordination Porz-Mitte/Urbach. Moderiert wurde die Runde von Anne Gebler-Walkenbach, die einleitend die Erinnerung an Innenstädte als lebendige, vielfältige Orte schilderte und für das Gespräch zwei Leitfragen formulierte: Wie können Innenstädte zukunftsfähig gestaltet werden? Und: Wie kann Chancen und Risiken verantwortungsbewusst begegnet werden?

Zu Beginn wurde deutlich, dass es für die Diskussion zentral ist, zu klären wie „Innenstadt” definiert wird, und dass die Antwort viel über die Perspektiven und Schwerpunkte der Antwortenden sagt. Konkret könne das für Köln bedeuten: Die Innenstadt ist der gesamte Bereich innerhalb der Ringe, evtl. noch verbunden mit Teilen des Kerns von Deutz. Also der Stadtbereich mit verdichteten Funktionen, der historisch stark vom Einzelhandel geprägt ist, darüber hinaus jedoch auch Raum für eine große Bandbreite an Nutzungen auf engem Raum ist. Oder: Die Innenstadt ist in erster Linie der Ort der Versorgung mit überregionaler Bedeutung. Die Innenstadt umfasst dementsprechend die zentralen Einkaufsstraßen rund um den Dom.

Dass Innenstädte vielfältige Nutzungen erfüllen sollten, darin waren sich alle Podiumsgäste einig. Jedoch variierte der inhaltliche Fokus je nach Perspektive. Aus sozialökologischer Sicht sollte die Innenstadt ein Raum für alle sein, mit konsumfreien Aufenthaltsmöglichkeiten, Orten für Bildung, Begegnung und Austausch. In Köln würde deutlich, wie einseitig die Nutzung vieler Bereiche noch sei und wie wenig sie zum Verweilen einladen. Aus wirtschaftlicher Sicht müssten Innenstädte insbesondere die Aspekte Konsum, Arbeit, Freizeit, Sport, Gastronomie, Kultur und Kreativwirtschaft abdecken, aber auch Wohnmöglichkeiten bieten.

Um das Potenzial in Köln besser zu nutzen, müsste insbesondere der Leerstand in den oberen Gebäudegeschossen mit neuer Nutzung gefüllt werden. Hier braucht es vor allem ein Zugehen auf die Eigentümer*innen. Aber auch städtebauliche Instrumente wie die Festlegung von Entwicklungsgebieten oder Vorkaufsrechte würden bislang zu wenig genutzt. Eine aktivere kommunale Strategie könne hier Veränderungen bewirken. Aber auch die Beteiligung von Anwohnenden und Nutzer*innen seien für die Entwicklung öffentlicher Räume zentral: Menschen müssten die Möglichkeit haben, sich aktiv einzubringen – sowohl über offizielle Beteiligungsprozesse der Stadt als auch über Initiativen „von unten“. Die aktive Einladung hierzu, zentrale Orte, an denen Menschen sich über aktuelle Projekte informieren könnten, und ein Fokus auf die Einbindung unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen könnten dies fördern.

Ein weiteres Diskussionsthema war die Verbesserung der Aufenthaltsqualität und der Umgang mit Klimawandel und Hitze. Ein Publikumshinweis zu provisorischen Beschattungen (Sonnensegel auf der Hohen Straße) zeigte, dass kleine Interventionen große Wirkung haben können. Hieran zeige sich die Notwendigkeit für Fördermöglichkeiten innovativer und niedrigschwelliger Ideen, aber auch wie bürokratische Verfahren schnelle Lösungen erschweren können. Es brauche mehr Mut zum Experimentieren sowie pragmatische Entscheidungen – darin waren sich die Podiumsgäste einig.

Dieses Thema führte zu der Frage, ob Unternehmen, die von der Innenstadt profitieren, stärker finanziell in deren Entwicklung eingebunden werden sollten, was die Diskutierenden unterschiedlich beantworteten. So gäbe es erfolgreiche Beispiele, wie den in Eigeninitiative entstandenen Zusammenschluss von Unternehmen am Neumarkt zur Aufwertung dessen. Es wäre aber riskant, Unternehmen von kommunaler Seite zu stark in die Pflicht zu nehmen. Hiermit könnte die Stadt Abwanderung und Leerstand in der Innenstadt befeuern. Eine andere Position wäre, dass diejenigen stärker in die Verantwortung genommen werden, die wirtschaftlich von der Innenstadt profitieren, beispielsweise in Form eines Fonds, der auch für zivilgesellschaftliche Initiativen zugänglich ist.

In der Diskussion tauchten immer wieder die Begriffe „Mut“, „verschlankte Prozesse“ und „gemeinsame Planung“ auf. Köln bewege sich als große Stadt immer in dem Spannungsfeld zwischen den Besonderheiten der Veedel und seiner überregionalen Bedeutung. Verantwortung liege einerseits bei der Stadtverwaltung, andererseits entwickelten sich viele Prozesse auch durch das Engagement unterschiedlicher Akteur*innen.

In der abschließenden Prioritätenrunde formulierte Benjamin Ruchser den Bedarf nach schlankeren Prozessen, besserer Sicherheit und Sauberkeit ohne Verdrängung sowie der stärkeren Einbindung der Wirtschaft. Prof. Yasemin Utku nannte eine neue Planungskultur mit echter Partizipation, mehr „Dritte Orte“, die Auseinandersetzung mit wachsender Armut und den ökologischen Umbau hin zu mehr Grün, Klimaanpassung und veränderter Mobilität – alles unter dem Leitbegriff der Nutzungsmischung. Lara Waldron plädierte ebenfalls für einfachere Prozesse, eine frühzeitige Einbindung sozialer Perspektiven und ganzheitliche Lösungen jenseits von Verwaltungsgrenzen.

Der diesjährige SDG-Fachtag zeigte deutlich, dass Köln über große Potenziale für eine nachhaltige Stadtentwicklung, aber auch komplexe Herausforderungen verfügt. Zukunftsfähigkeit entsteht nur durch ein Zusammenspiel von ökologischer, sozialer und ökonomischer Entwicklung. Engagement, Offenheit für Veränderungen und partnerschaftliches Handeln ermöglichen es, dass die Stadt ein Ort für alle bleiben – oder werden – kann: Lebendig, vielfältig und kollektiv getragen.

Alle Fotos von Gülten Hamidanoglu | www.businessfotos-koeln.de.

Der SDG-Fachtag wird jährlich vom Bündnis Kommunale Nachhaltigkeit zu unterschiedlichen Schwerpunktthemen in Köln durchgeführt. Dieses Jahr wurde er gefördert mit Mitteln der Bezirksvertretung Innenstadt, der Bürgerstiftung Köln und der Stadt Köln.

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